Ich kaufe gerne gebraucht. Das war schon vor unseren Kindern so, in meiner Studienzeit und in den WGs, in denen ich gewohnt habe. Für mich war es nie selbstverständlich, alles neu zu kaufen. Warum auch, wenn etwas noch gut ist und jemand anderes es nicht mehr braucht?
Dinge länger zu nutzen, statt immer alles neu zu kaufen, finde ich nach wie vor gut. Und gerade im Kinderzimmer lässt sich das ziemlich einfach umsetzen.
Als ich mit unserem zweiten Kind schwanger war, sind wir in eine Dreizimmerwohnung gezogen. Unser Großer war damals drei Jahre alt und plötzlich stand die Frage im Raum: Was brauchen wir eigentlich für ein Kinderzimmer?
Für mich war schnell klar: Die Möbel müssen nicht neu sein.
Wir haben einen Schrank gebraucht gekauft, einen kleinen Schreibtisch und auch das Bett. Und rückblickend finde ich das immer noch eine gute Entscheidung.
Im Kinderzimmer wird gespielt, gebaut, gemalt und getobt. Da darf auch mal eine Macke im Schrank entstehen oder der Schreibtisch nach ein paar Jahren nicht mehr ganz so frisch aussehen.
Ein Zimmer kann auch mit gebrauchten Möbeln schön und funktional sein. Mir ist wichtig, dass es zu uns und unserem Alltag passt.
Was ich im Kinderzimmer gebraucht kaufen würde
Bei Möbeln würde ich heute wieder zuerst nach gebrauchten Angeboten schauen. Ein Kleiderschrank, ein Regal, ein Schreibtisch oder ein Bettgestell müssen für mich nicht neu sein. Gerade bei größeren Möbelstücken lässt sich damit einiges sparen.
Auch bei Spielzeug und Büchern lohnt sich der Blick auf Secondhand. Hochwertiges Holzspielzeug, Bausteine oder Bilderbücher können schließlich noch viele weitere Kinder begleiten. Und eine Geschichte wird nicht weniger schön, nur weil schon jemand anderes darin geblättert hat.
Ich würde einfach schauen, ob alles vollständig und in einem guten Zustand ist. Bei Möbeln achte ich darauf, dass sie stabil sind. Bei Spielzeug kommt es natürlich darauf an, um was es sich handelt und ob es sicher verwendet werden kann.
Wenn alles passt, spricht für mich wenig dagegen, gebraucht zu kaufen.
Unser Beistellbett: Spoiler, es wurde kaum benutzt
Unser erstes Beistellbett war übrigens auch gebraucht. Unser Baby hat darin ungefähr das gemacht, was viele Babys mit solchen Betten machen: höchstens mal Mittagsschlaf und Nachts wurde lieber bei oder auf uns geschlafen.
Das Beistellbett war also eine Anschaffung, die sich bei uns ziemlich schnell als wenig sinnvoll herausgestellt hat.
Seitdem überlege ich bei Babyprodukten genauer, ob wir sie wirklich brauchen und wie lange wir sie vermutlich nutzen werden. Gerade bei Dingen, die nur für eine kurze Phase gedacht sind, frage ich mich inzwischen öfter, ob sich die Anschaffung überhaupt lohnt.
Denn auch das gehört für mich zu einem nachhaltigeren Umgang mit Dingen: nicht nur darauf zu achten, woher etwas kommt, sondern auch, ob wir es wirklich brauchen.
Bei der Matratze habe ich lieber neu gekauft
Bei der Matratze war für mich dagegen schnell klar, dass ich eine neue möchte.
Und noch etwas war mir wichtig: Sie sollte direkt das Standardmaß 90 × 200 cm haben.
Unser Großer war damals drei Jahre alt und ich war mit unserem zweiten Kind schwanger. Eine kleine Kindermatratze zu kaufen, die nach ein paar Jahren wieder ersetzt werden müsste, fand ich wenig sinnvoll. Wenn wir ohnehin eine neue Matratze anschaffen, warum dann nicht gleich eine Größe, die möglichst lange passt?
Bei einer Matratze würde ich auf die Eignung für das jeweilige Bett, die Materialien, einen waschbaren Bezug und eine gute Verarbeitung achten. Außerdem würde ich überlegen, wie lange sie voraussichtlich genutzt werden kann.
Für eine Matratze kann man schnell 250, 300 oder sogar 500 Euro ausgeben. Das ist eine Menge Geld. Auch bei einer teuren Matratze würde ich deshalb genau vergleichen. Der Preis allein sagt schließlich noch nicht alles über die Qualität aus.
Wenn ich schon mehr Geld ausgebe, möchte ich schließlich wissen, wofür.
Bettwäsche darf gerne gebraucht sein
Bei Bettwäsche bin ich übrigens weniger festgelegt.
Ich habe selbst schon gebrauchte Bettwäsche mitgenommen und finde das völlig in Ordnung. Wenn sie sauber und gut erhalten ist, kann sie noch lange genutzt werden.
Bei neuer Bettwäsche achte ich auf eine angenehme Haptik, eine gute Verarbeitung und vorzugsweise auf Biobaumwolle. Schließlich schlafen wir jede Nacht darin und waschen sie regelmäßig. Mir ist wichtig, dass die Bettwäsche angenehm auf der Haut ist und auch nach vielen Wäschen noch gut aussieht.
Bei manchen Dingen lohnt es sich, langfristig zu denken
Ein mitwachsender Hochstuhl ist ein gutes Beispiel dafür, dass ich bei manchen Anschaffungen gerne etwas genauer hinschaue.
Ein passendes Modell kann ein Kind über viele Jahre begleiten. Das finde ich sinnvoller, als für jede Entwicklungsphase etwas Neues kaufen zu müssen.
Auch beim Schreibtischstuhl würde ich auf eine passende Sitzhöhe und eine kindgerechte Nutzung achten.
Unser Großer bekam mit ungefähr fünf Jahren einen größeren Schreibtisch. Den haben wir übrigens ziemlich pragmatisch selbst gebaut, mit einer Platte aus dem Baumarkt und vorhandenen Möbelteilen.
Beim Stuhl mussten wir dagegen etwas verändern, weil unsere vorhandenen Stühle einfach zu niedrig waren. Also kam ein passender Kinderstuhl dazu.
Ich mag solche Lösungen: Dinge selbst bauen, vorhandene Möbel weiterverwenden und dort investieren, wo es im Alltag tatsächlich einen Unterschied macht.
Ein Kinderzimmer muss nicht perfekt sein
Mit Kindern verändert sich ein Kinderzimmer sowieso. Was heute gut passt, kann in zwei Jahren schon ganz anders aussehen. Möbel und Einrichtung müssen da für mich nicht perfekt aufeinander abgestimmt sein.
Ich mag es, wenn Möbel weiterverwendet werden und nicht alles neu angeschafft werden muss. Unser Schrank hatte schon ein anderes Zuhause, den Schreibtisch haben wir selbst gebaut und kleine Gebrauchsspuren gehören für mich einfach dazu.
Bei manchen Produkten schaue ich genauer hin und gebe auch gerne etwas mehr aus. Mir ist wichtig, dass eine Anschaffung zu uns passt und wir möglichst lange etwas davon haben.
Meine Fragen vor einem anstehenden Kauf
Bevor ich heute etwas Größeres für das Kinderzimmer anschaffe, überlege ich:
• Brauchen wir das wirklich?
• Bekomme ich es gebraucht in einem guten Zustand?
• Wenn ich es neu kaufe, wie lange werden wir es voraussichtlich nutzen?
• Lohnt sich eine bessere Qualität für unseren Alltag?
• Passt es zu dem, was mein Kind gerade braucht?
So entscheide ich von Fall zu Fall. Manchmal ist gebraucht die beste Wahl, manchmal neu. Und manchmal stellt sich heraus, dass wir etwas überhaupt nicht brauchen.
Wenn ich heute ein Kinderzimmer neu einrichten würde, würde ich bei Schränken, Regalen, Bettgestellen, Schreibtischen, Büchern und vielen Spielsachen zuerst nach gebrauchten Angeboten schauen.
Bei einer Matratze würde ich eher neu kaufen. Bei Bettwäsche würde ich auch gebrauchte Angebote in Betracht ziehen. Bei Hochstühlen und Schreibtischstühlen würde ich genau vergleichen und auf den jeweiligen Zustand, die Eignung und meine Anforderungen achten.
Nicht alles neu. Nicht alles gebraucht. Sondern so, dass es für uns Sinn ergibt.
Ein Kinderzimmer, das selbstständiges Spielen unterstützt
Bei der Einrichtung kommt es nicht nur darauf an, welche Möbel und Spielsachen im Kinderzimmer stehen. Auch die Anordnung und Sichtbarkeit der Spielsachen spielen eine Rolle.
Ein Kind kann ein ganzes Zimmer voller Spielzeug haben und trotzdem schwer ins eigene Spiel finden. Vielleicht liegt das an der Menge der sichtbaren Spielsachen, an den Reizen im Raum oder daran, dass es sich nicht richtig orientieren kann.
Was ist für dein Kind gut erreichbar? Wie viele Spielsachen sind gleichzeitig sichtbar? Und welche Möglichkeiten bietet das, was bereits im Kinderzimmer vorhanden ist?
In meinem Mini-Produkt „Klar sehen, frei spielen“ erfährst du, wie Kinder Räume wahrnehmen, wie Reize und Sichtbarkeit ihr Spiel beeinflussen und warum offene Materialien oft mehr Spielmöglichkeiten bieten als vorgefertigtes Spielzeug.
Du bekommst konkrete Impulse, mit denen du das Kinderzimmer so gestalten kannst, dass dein Kind leichter ins eigene Spiel findet. Und zwar mit dem, was schon da ist. Ohne neue Möbel und ohne noch mehr Spielzeug.
